BAUBESCHREIBUNG

Das Schloss Haggenberg liegt  in dem 200 Einwohner zählenden  Dorf Hagenberg. Dieser, zur Großge­meinde Fallbach im Bezirk Mistelbach gehörende Ort liegt etwa 60 km nördlich von Wien. Es liegt im Quellgebiet des Brandbaches, eines Zubringers der Zaya, die über die March in die Donau ent­wässert wird. Etwa 12 km nördlich des Dorfes bildet die Thaya die Grenze zwischen Österreich und Mähren. Sie durchschnei­det ein und dieselbe Landschaft mit einer aufeinander abgestimmten Geschichte.

Zur Schreibweise des Namens 
Der Name Haggenberg, der sich von einer arabischen Streitaxt herleitet, wurde bis in die Neuzeit grundsätzlich mit K ausgesprochen und auch so geschrieben, also „Hakenberg“, „Hakkenberg“, Hackenberg“, „Hachenberg“. Im Hochbarock setzt sich die Schreibweise mit GG, also „Haggenberg“ durch, die nach 1800 zu einem einfachem G, also zu „Hagenberg“ verkürzt wurde, was seither der offizielle Name der Ortschaft ist. Ich bevorzuge für die historischen und kulturellen Belange des Schlossesim Einklang mit der barocken Schreibweise den Namen HAGGENBERG  
Das Schloss trägt allenthalben Zeichen natürlichen Verfalls, aber auch Spuren mutwilliger Zerstörung zur Schau. Jedoch ist trotz des Unverstandes der vergangenen 250 Jahre das Entscheidende, nämlich die Struktur des Raumes, erhalten geblieben: Für jene, die nicht nur verwahrloste Ober­flächen, sondern auch Zusammen­hänge erkennen können, entpuppt sich der Bau als offen gebliebenes Fenster in eine große Vergangenheit.

1. ERDGESCHOSS
Die Zufahrt über die Brücke

Das Schloss ist nach den vier Him­mels­richtungen ausgerichtet und steht am südwestlichen Ende des Dorfes. Es ist von einem 30 Meter breiten, mit Schilf verwachsenen Wassergraben umgeben. Der Zufahrts­weg führt durch eine kurze Kastanien-Allee und eine vier-jochige Steinbrücke direkt auf das Eingangspor­tal im Nordostflügel des Gebäudes.Die viergeschossigen, mit Satteldächern gedeckten Flügel umschließen einen annähernd quadratischen Innen­hof und weisen je sechs Fensterachsen an den Außen- und vier Achsen an den Innen­fassaden auf. Die Eingangsfront ist heute weitgehend mit Veitschi überwachsen. Das Eingangsportal, über dem das von vier Putten getragene Wappen des Reichs­grafen Theodor von Sinzendorf angebracht ist, öffnet sich zu einer Sichtachse. Diese führt  durch die Eingangshalle, den Innenhof und die Sala terrena und legt den Blick auf das Gelände hinter dem Gebäude frei. Sämtliche ebenerdigen Räume sind eingewölbt.

Die Eingangshalle

An den Wänden und Decken der zweijochigen Eingangshalle sind noch verblasste Grisaille-Malereien erkennbar, die militärische Motive aufweisen. Das erhaltene Medaillon im Gewöl­be vor dem Stiegenhaus zeigt einen Reiter auf seinem Pferd, der mit gezogenem Säbel über einen Türken springt.  Die Szene stellt die Apotheose des Reichsgrafen Christian Ludwig von Sinzendorf von der Friedauer Linie dar, der am 12.August 1687 als 18-jähriger Kornett in der Schlacht am Berg Harsány verblutete.

Der Innenhof

In der Mitte des Innenhofes befindet sich ein achteckiger Brunnen, der durch das Quellwasser aus den umliegenden Wäldern gespeist wird. Dieser Brunnen war während der landwirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes zugeschüttet, um die Durchfahrt der Erntewägen in die Grotte zu ermöglichen. Von der achtecki­gen Einfassung des Brunnens ist noch ein behauener Sandstein vorhanden.

 

Die Muschelgrotte oder Sala terrena

Vom Innenhof gelangt man durch einen Torbogen in die Sala terrena.
Dessen Deckenfresko zeigt links einen Greis, welcher unter einem Baum am Gestade eines Meeres liegt und einen Krug, aus dem Wasser fließt, umfasst. Drei Kinder stehen im Wasser und breiten ein Netz aus. Die Figur stellt den Ur-Gott Okeanos, den Ursprung des Wassers bzw. aller Flüsse dar, dessen drei älteste Kinder nach der orphischen Tradition Phorkys, Kronos und Rhea hießen. Letztere sind die Stammeltern der olympischen Götter. Okeanos hieß jener Fluss, der ständig um die Erdscheibe fließt, so wie in Haggenberg, wo der um das Schloss angelegten Wassergraben dieses zu einer Insel im Weltmeer macht.
Die etwas tiefer gelegene dreijochige Grotte dürfte bereits in den  napoleonischen Kriegen devastiert worden sein.  Die noch reich stuckierte Decke mit den von Mu­scheln sowie Tuff- und Tropfsteinen umgebenen  Medaillons ist zum Großteil noch erhalten. An beiden Seiten der Grotte befinden sich Wasserbecken. In den Nischen dahinter  sind Skulpturenpaare als Wasserspeier aufgestellt. Die Figuren stellen Liebespaare der griechischen Mythologie dar. 
Das an der SO-Seite sitzt Neptun, der Gott des Meeres  neben seiner Gemahlin Amphitrite.  Gegenüber kniet Diana, die jungfräuliche Göttin der Jagd, welche sich dem Jäger Orion zuwendet, der sie als Riese  überragt.

Hagenberg 1
2133 
Fallbach

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